Die kleine Mücke und der kleine Fussel

von Anne Freytag

Es waren einmal eine kleine Mücke und ein kleiner Fussel, die beide unendlich traurig waren, denn keiner konnte sie leiden. Die Menschen sahen in der kleinen Mücke einen bösen Parasiten, der ihnen nicht nur Blut abzwackte, sondern auch noch schlimm juckende unschöne Hautirritationen hinterließ. Und der kleine Fussel war in ihren Augen nicht mehr als ärgerlicher Schmutz, den es zu beseitigen galt. Und so waren sie beide traurig und einsam.
Eines Tages ergab es sich, dass die kleine Mücke durch ein offenes Fenster in eine schöne Wohnung flog. Schrill surrend zog sie ihre Runden bis sie sich schließlich auf eine rote Wand setzte, um sich von ihrer langen Reise zu erholen. Mit knurrendem Magen schaute sich um. Sie hatte seit ein paar Tagen nichts gegessen, weil sie bei den Menschen beliebter werden wollte. Mit wenig Erfolg. Denn jedes Mal, wenn einer ihren Gesang vernahm, wedelte er hektisch mit den Armen oder versuche sie mit der flachen Hand an der Wand zu zerquetschen. Manchmal nahm sie sich vor, einfach nicht mehr auszuweichen, wenn das nächste Mal eine riesige Hand auf sie zuschießen würde, doch dann waren ihre Instinkte doch jedes Mal schneller. Sie saß also da, mit knurrendem Magen und schwerem Herzen. Ihre Flügelchen hingen schlaff an ihr herunter. Ein fürchterlich lautes Geräusch ließ sie kurzzeitig erstarren. Es war dieses abscheuliche Ding, mit dem Menschen Staub vernichteten.

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