Der Herr der Schlüssel

von Martin Sieper

„Ich habe mich in meiner Wohnung eingesperrt. Könnten Sie mir bitte helfen?“

Der Mann am anderen Ende der Leitung schweigt unüberhörbar und kratzt sich – so hoffe ich – den Bart.

„Können Sie denn beweisen, dass es auch wirklich Ihre Wohnung ist?“, fragt er. Ich blicke mich um und stelle fest, dass zumindest die Umzugskartons, die nun seit 2 Monaten unangetastet in meinem Flur herum stehen, mit meiner ordnungsspezifischen Beschriftung versehen sind: „Essen, waschen, leben, Pornos.“

„Jaaaa“, erwidere ich. „Ich stehe wie gesagt in meiner Wohnung!“ Der Mann lacht

„Das ist doch kein Argument!“

Nein, natürlich ist es kein Argument, denke ich. Wer kennt sie nicht, diese fiesen Einbrecherbanden, die zunehmend persönliche Wertgegenstände in Praktiker-Kartons verpackt zu ihren Einbrüchen mitnehmen.

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Das Ziel im Blick

von Johannes Behr

Heute pack ich’s an! Ich geh los und erledige alles, was ich zu erledigen hab. Ich hab’s ja jetzt auch wirklich schon lang genug rausgezögert… Lang genug? Viel ZU lang passt da wohl eher. Na aber jetzt weiß ich’s ja. Ich zöger nie wieder etwas so lang raus. Das verspreche ich mir jetzt selbst. In die Hand! In welche Hand? Soll ich mir jetzt selbst die Hand geben? Ist doch quatsch… Aber ich weiß ja, was ich meine. Also ich schieb nichts mehr so lang auf. Nicht mehr groß drüber reden, einfach machen. Also los. Ohne Umwege zum Ziel!

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Bühne frei für gute Geschichten.

Ob Männlein oder Weiblein, jung oder alt, Realist oder Träumer – gute Geschichten ziehen Menschen seither in ihren Bann. Und genau deshalb stehen diese auf scheiningbreit.de im Mittelpunkt. Wer also ein Herz für Geschichten hat, sie gerne liest oder auch schreibt, ist hier goldrichtig.

Viel Spaß!

 

Und während er aß, goss Wint ihm Wein nach, so dass sich sein Becher niemals leerte, und lächelte ihm zu und saß bei ihm und sprach ihn mit »Großvater« an. Letzteres war einfach zu viel für den alten Bettler, und er begann leise zu weinen. Vielleicht lag es daran, dass er alt war und einen langen Tag hinter sich hatte. Vielleicht lag es auch am Wein. Wie dem auch sei – Tränen liefen ihm die Wangen hinab und in den buschigen weißen Bart.

Als Terris das sah, fragte er: »Väterchen, was ist denn? «

»Ich bin ein törichter alter Mann«, sagte Sceop, mehr zu sich selbst als zu den anderen. »Ihr seid so freundlich zu mir wie seit Jahren niemand mehr, und es tut mir so leid, dass ich es euch nicht vergelten kann.«

Terris lächelte und legte dem alten Mann eine Hand auf den Rücken. »Würdest du wirklich gerne dafür bezahlen?«

»Ich kann nicht. Ich habe nichts, was ich euch geben könnte.«

Terris lächeln wurde breiter. »Sceop. Wir sind die Edema Ruh. Was wir am höchsten schätzen, ist etwas, das jeder besitzt.« Sceop sah, wie ihn die Gesichter rings um das Feuer erwartungsvoll anblickten. Terris sagte: »Du könntest uns deine Geschichte erzählen.«

Aus „Die Furcht des Weisen“ (Teil 1) von Patrick Rothfuss, S. 408