Der schlurfende Hausschuh

von Björn Benthack

Hell erleuchtete Flure, finstere Gestalten, eine dezente Mischung aus Urin, Kot und Desinfektionsmittel bahnt sich ihren Weg durch die Atemwege hinauf in die Rezeptoren der Hirnrinde, die nur eine sinnvolle Schlussfolgerung zulassen: Herr Pantoffel ist ein Kassenpatient.
Mürrisch bewegt er sich durch die heiligen Hallen einer x beliebigen hiesigen Asklepiosklinik, auf der Suche nach der diensthabenden Oberschwester. Dienstzimmer? Fehlanzeige. Ohnehin vermutete Herr P., Oberschwester E. eher im Raucherzimmer dieser äußerst lebendigen und vergilbten vier Wände.

Da Herr P. jedoch in seiner eigenen bescheidenen Behausung beim Staubwischen vom Treppenlift seiner dementen Frau umgenagelt wurde und daraufhin einen Nasenbeinbruch erlitt, fiel ihm das Erschnuppern der diensthabenden Oberschwester doch etwas schwer.

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Der Wächter der Nacht

von Björn Benthack

Tatort: Die sündigste Meile der Welt
Uhrzeit: Weit nach 2:39 Uhr und 1,7 Promille
Teilnehmer: Muskelpakete und Trunkenbolde
Statisten: Nutten

Es war noch nicht sehr spät an diesem Abend als Harry mit seinen Freunden Ronny und Johnny angeschwippst die Stammkneipe ihrer geliebten Heimatstraße verließen. Man lachte, man trank, man plauderte. Die Neuigkeiten der Nachbarschaft wurden mit rüstigen Rentnern aus der Umgebung in dem sanften Nebeldunst der Lokalität des Herzens ausgetauscht. Aufgrund des Trinkverhaltens der älteren Semester, die meist schon zur Mittagszeit die heiligen Tore der geliebten Schankwirtschaft durchschreiten, strichen diese bereits weit vor Mitternacht die Segel.
Nun standen sie dort, aufgedreht, voller Tatendrang und euphorisiert. Das Testosteron drohte überzulaufen. Es musste raus. Es musste hinfort, es wollte nicht im Inneren von 185 Zentimetern und strammen 85 Kilo gefangen bleiben. Es wollte sich entfalten, die Euphorie mit der ganzen Welt teilen. Die Brunftzeit war erreicht, dem Imponiergehabe fiel die erste Mülltonne zum Opfer. Nach Hause gehen? Keine Option. Zur Freundin ins Bett kriechen? Undenkbar. Kiez? Wo ist das nächste Taxi?!?!

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Kaffee zu Fuß

von Björn Benthack

Wer kennt es nicht? Es ist Montagmorgen, unendlich viele schlecht gelaunte und düster dreinblickende Menschen schieben sich in die U-Bahnen, stehen herum, blasen Trübsal, in der Hoffnung, dieser Tag möge doch schnell vorbeigehen. Am Ziel ihrer beschwerlichen Reise angekommen quälen sich die Massen missmutiger, von Kopf, Geist und Kreativität befreiter Körper wie leere Hüllen durch die hippe Hafencity auf dem Weg zu ihrem unglaublich modernen Arbeitsplatz. Der einzige Lichtblick dieser Ansammlung meist egozentrischer, aber dennoch auf Teamfähigkeit getrimmter, modisch stets bis in die letzte Haarspitze gelackter Individuen ist ein Getränk, das unsere Großeltern und alle Generationen zuvor schlicht und einfach als Kaffee bezeichnet haben.

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