Ode an meine Brüste

von Conny Ertl

Ich habe Bauchkrämpfe und alle Arten von Regelbeschwerden. Ich habe Cellulite am Arsch und ein völlig gestörtes Verhältnis zu mindestens vier weiteren Körperregionen. Ich verfalle in eine peinlich-hohe Stimmlage, sobald ich ein Baby in meinem Umfeld erblicke. Oder ein Zwergkaninchen. Oder ein Baby-Zwergkaninchen.

Ich habe praktisch keinen Orientierungssinn, kann keinen Nagel in eine Wand schlagen ohne ein Blutbad anzurichten und selbst wenn ich wüsste, was ein Abseits ist, würde ich es genauso für ein Gerücht halten wie den G-Punkt.

Ich kann nicht Kopfrechnen und bin so unsportlich, dass ich für jeden Treppen-Aufstieg zwei Dinge brauche: Erstens ein Sauerstoffzelt und zweitens einen Begleiter, bei dem ich mich auch eine Stunde später immer noch darüber beschweren kann, dass sich die Treppe einfach nicht mit meinen viel zu hohen Schuhen verträgt, für die ich gerade erst den Postboten angeschrien habe.

Ich werde eines Tages unter Höllenschmerzen einen Menschen mit einem Kopf wie eine Wassermelone aus meinem Körper pressen und mich 20 Jahre später mit topfgroßen Schweißflecken auf meiner Bluse und zunehmendem Haarausfall durch die Menopause kämpfen, während mich mein zweiter Ehemann im Zuge seiner Midlife-Crisis mit seiner Sekretärin bescheißt.

Das Leben als Frau ist wirklich kein Leichtes. Eigentlich gibt es überhaupt nur zwei Gründe, die es richtig lebenswert machen: BRÜSTE!
Hupen, Glocken, Mäusefäuste…die Quelle des Lebens…die eigene Milchbar. Ob klein oder groß, die Männer lieben sie! Und mal ehrlich: Die Dinger haben NUR Vorteile:
• Sie beulen das T-Shirt aus und lenken geschickt davon ab, wenn man mal wieder einen Knödel zu viel gegessen hat.
• Sie wachsen proportional zum Schwangerschaftsbauch mindestens um das Doppelte.
• Sie sorgen für Gleichgewicht, wenn der Arsch immer größer wird.
• Mit dem Alter kann man einen an der Hüfte baumeln lassen und den anderen nach hinten werfen, um die Bandscheiben zu entlasten.
• Mit Brüsten kann man Schnitzel klopfen, Tequila-Gläser einklemmen und jedem Typen ein ausgewachsenes Veilchen verpassen.
• Und wenn sie sie nur richtig zusammenpresst und dabei – Multitasking sei Dank – gleichzeitig lasziv über ihre Oberlippe leckt, kann frau sogar zusätzlich Geld verdienen, indem sie im Fernsehprogramm nach 2 Uhr Früh Telefonnummern aufsagt.

Ja, es ist schön eine Frau zu sein. Eine von vielen. Eine von viel zu vielen! ICH HASSE FRAUEN. Naja, mit mir komm´ ich ganz gut klar. Phasenweise zumindest. Nur mit allen anderen wird’s dann problematisch.
Aber auch nur deshalb weil die ja überall sind. Im Supermarkt, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, im Fitness Studio, im Wahllokal. Scheiß Emanzipation! Man kann ja nirgendwo mehr hingehen, ohne dass einem von allen Seiten Östrogen entgegen schlägt. Ich wette sogar unter den Lesern befinden sich ein oder zwei von der Gattung. Aber das ist ok, man muss sich direkt mit der Krise auseinander setzen, wenn man sie loswerden will. Ich habe mich also entschieden mich meinem Problem ganz offensiv entgegen zu stellen. Wenn ich es jetzt nicht tue, wird es böse enden, sagt mein Therapeut.
Er meint, wenn ich so weitermache, würde meine Abneigung gegenüber anderen Frauen bald in einen Hass gegen die gesamte Menschheit umschlagen und ich würde mich mit fünf Katzen in einer Gemeindewohnung verschanzen und nie mehr wieder die Straße betreten.
Katzen…tz…ich würde mir maximal einen Kater holen. Der Typ hat ja wirklich keine Ahnung.

Und mal ehrlich, mit der Östrogen-Sache muss ich mich ja sowieso herumschlagen. Tagtäglich. Ob ich will oder nicht. Mit Anfang 20 war mir das ja alles noch total egal, aber jetzt? Kaum geh ich auf die 30 zu wächst mir hier so ein borstiges, schwarzes Haar aus’m Kinn. Ich stehe also regelmäßig vorm Spiegel und fange an mit so einer goldenen Pinzette an mir rumzuzupfen.
Seht ihr, da haben wir´s schon. Eines von diesen Frauenthemen. Oh wie ich sie hasse. Ich hab da mit meinem Therapeuten so eine Liste mit Reizworten zusammengestellt.
Er meinte es würde helfen zumindest den ersten Punkt zu veröffentlichen, damit ich langsam anfange mich im Positiven damit auseinander zu setzen und eines Tages in der Lage bin, mich in einen Frauen-Small-Talk zu wagen ohne, dass sich mein Gegenüber damit in unmittelbare Lebensgefahr begibt.

Ok…also…auf Platz 1 meiner Liste weiblicher Reizthemen: PASTELLFARBEN!
Rot, Blau, Grün, Schwarz, Weiß. Da ist doch nun wirklich alles dabei, um jedes Kleidungsstück, jedes Paar Schuhe und jeden Nagellack ausreichend beschreiben zu können, oder etwa nicht? NATÜRLICH NICHT. Da gibt es BEIGE, KORALLE und TÜRKIS. Und dann gibt es Pastellfarben. Dieses milchige Zeug. Damit beschäftigen sich Menschen, wenn sie ihre Hochzeit planen und die Kleider für die Brautjungfern aussuchen.
Das ist wie wenn man sich einen Virus eingefangen hat und nicht aufhören kann zu kotzen. Da findet man dann auch ganz plötzlich Reisschleimsuppe toll. So einen Virus hat meine beste Freundin grade. Sie heiratet im Juni und weil die wichtigste Position als Trauzeuge NATÜRLICH schon von einem Mann besetzt ist, werde ich in ein Kleid gesteckt. Nicht irgendein Kleid, NEIN, es ist der Tüll gewordene Albtraum aus PASTELL-LILA, mit Puff-Ärmeln und einer Riesen-Masche überm Arsch, damit’s auch zur Tischdeko passt!

Oh Herr, hilf mir das durchzustehen!
Oh Herr, gib mir die Kraft Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann!
Oh Herr, LASS MICH EIN MANN SEIN! Nur für einen Tag. Ich möchte wissen wie es sich anfühlt groß und kräftig zu sein. Ich will eine Axt in die Hand nehmen und Bäume fällen, während mir borstige Haare ÜBERALL aus dem Gesicht wachsen. Ich möchte einen großen Schluck Bier trinken ohne Schluckauf zu kriegen, T-Shirts anziehen, die nicht zu meinen Schuhen passen und mit einer Frau sprechen, als wäre sie ein wundervolles Wesen.
Oh Herr, bitte nimm mir nur eines nie: Meine Brüste!



Über die Autorin:

Cornelia Ertl

Cornelia_Ertl

Conny Ertl ist Texterin, Moderatorin und Poetry Slammerin aus Wien. Sie ist Gründerin und Chefin einer Werbeagentur, schreibt leidenschaftlich gerne Blogtexte, Reiseberichte, TV-Konzepte und, als wäre es nicht schon genug, versucht sie sich derzeit auch noch als Kinderbuchautorin. Conny trat 2012 zum ersten Mal bei einem Poetry Slam in Wien auf und hat es nur ein Jahr später direkt auf Platz 5 der Österreichischen Poetry Slam Meisterschaften in Salzburg geschafft.

Mehr von und über die charmante Wienerin findet ihr auf ihrer Facebook-Seite und ihrem Blog.























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