Morgen

von Osama

Kennt ihr das?
Ihr sitzt so vor eurem Kokosnussöffner und auf einmal, da fällt es euch wieder ein. Ihr wolltet da ja noch was machen. Ja, was ganz wichtiges. Nur was?

Der Müll ist rausbracht, die Sau gschlacht, der Kaffee gmacht nur an diese eine Sache habt ihr nicht mehr gedacht. Diese eine Sache, die wichtiger für euch ist als Salzstreuer, Magenbitter, Malzsteuer oder Schokoritter.
Ihr sitzt vor eurem Chinchilla-Laufstall und denkt nach über diese eine Sache. Ja, was war das nochmal?

War es der Text, den du noch nicht geschrieben hast?
der Spitzenwein, den du nie getrunken hast?
Oder was fällt dir gerade so zur Last?

Hast du deine emotionalen Hausaufgaben wieder nicht gemacht?
Deine Freunde vergessen, deine Angebetete unabsichtlich ausgelacht.
Hast du dich nicht bedacht an diese Sache rangemacht?
Sachte sollte man mit Menschen sprechen.
Sie mit seinen Worten weder unter- noch anbrechen.

Manche Worte verschwinden zwar schnell, aber andere, die brennen sich ein.
Vergiss hier mal den Schein des gespielten Gut-drauf-sein.
Lies mal zwischen den Zeilen, mit der Objektivität deines Wissens
über das Weihnachtsessen,
wegen dem alle gelacht haben, weil es nicht ganz so gut tat in Gaumen und Magen.
Nur der Koch, der fand das nicht so schön. Er lachte zwar mit, doch innerlich zerriss es ihn.

Parlamente sind anstrengend zum Zuhören,
das ist nicht zu verleugnen.
Man schimpft gern auf diese Heuchler und hetzt auf sie die Meuten.
Vergessen wird der eine integre Politiker,
nimmt sie sich viel zu viel zu Herzen, seine Kritiker.
Stirbt schließlich an einem Herzleiden.
Ich steh hier und will genau das vermeiden!
Meine Worte wähl ich ab sofort mit Bedacht,
entschuldige mich für jede Aussagen, die ich hab zu viel gemacht.
Ich versprech euch hier und jetzt.
Von meinen Worten wird niemand mehr verletzt.

Denn nur das Wort führt zu Krebs, zu Schlaganfällen,
zum in die Luft sprengen ohne sich selbst zu kennen.
Zu Kriegen ohne Wiederkehr ohne Gründe ausgerufen,
zu Frieden ohne Geschlechtsverkehr.
Wohin soll das denn noch alles ausufern?

Wer außer das Wort ist denn hierfür ver-ant-wort-lich?
Bin es ich?
Nee, Nee, Nee.
Die, Die, Die sind es doch,
Die ihre Phrasen ausbeuten,
ihre Aussagen versklaven,
die Wahrheit deportieren
und absichtlich den Faden verlieren.
Die sind es doch, die das Wort diffamieren.

Ich klage sie an, diese Wortverbreiter,
diese ichbezogenen Ideologieerfinder,
wie sie immer die angebliche Wahrheit sagen
und nur die unangenehmen Lösungswege finden wollen.

Ich klage sie an, aber verurteilen kann ich sie nicht.
Ja, sind sie auf dem falschen Weg, sie suchen nur nach sich
selbst.

Nach ihrem eigenen verlorenen Fest,
nach einem würdigen Ersatz für ihre maßlose Tristesse.
Sie hadern mit ihren nicht ausgekosteten Leidenschaften
und wollen ihr Leben einfach nur nicht als niemand verlassen.

Deswegen kanalisieren sie ihre eigenen Versäumnisse in den Hass.
Der ihnen die verachtenden Gedanken von Millionen gibt.
Sie saugen diese Gedanken in sich auf und sie geben ihnen Kraft.
Verleihen ihnen unverdiente Flügel und unheimliche Macht.

Merkt ihr nicht selbst, dass ihr in dieses Fahndungsmuster passt,
wenn ihr all diese Menschen hasst,
euch über sie stellt und ihre falsch geleiteten Philosophien brandmarkt
und gar nicht versteht, dass dieser Mensch und sein Hass auch dadurch erstarkt?

Und wisst jetzt nicht, was ich mein und versteht das alles nicht
dann sag ichs euch in einem ganz ganz kleinem Gedicht:

Wen man nicht hört, der spricht auch nicht.


Über den Autor:

Osama

Osama

Osama heisst er, weil er so genannt wurde. Auf der Bühne stehen und rumhampeln macht er seit Ende 2009. Anfangs nur im Team Paddi und Osama und mit der Zeit auch allein. Und allein denkt er nach. Übers Träumen, Macht oder das Leben und krault sich im Bart ob des Lebens. Im wunderschönen Franken zwischen Polizei und Festivals aufgewachsen hat es ihn schließlich Ende 2012 nach Wien verschlagen. Und das nur, weil der erste Schritt in die Stadt sich perfekt angefühlt hat. Seitdem nimmt er an der Wiener Slamszene teil und studiert dazu noch Psychologie und „hackelt“ nebenbei. Und ist zufrieden. Aber nicht ohne sein Wort für Themen zu benutzen, die ihm am Herzen liegen.























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