Ich hab nur Hurensohn verstanden

von Karl Wolfgang Epple

Billy
Herrlich! Ein Stelldichein von betrunkenen Halbstarken.
Das MacGuffin‘s Pub, heiß begehrt seit der Erfindung des Public Viewings, stinkt sich eine Bahn durch den mittelalterlichen Stadtkern. Da darf geraucht werden, denn Jura ist überall. Vereinsrecht.
Wir quetschen uns zwischen schieferne Hauswände, kaum ellenbreite Gässchen, durch die wir als Kinder mit unseren schmalen Schultern und bunten Windjacken toben konnten. Vor dem Pub werden wir wieder ausgespuckt, saufen uns die Bierkartuschen in der Hand die steile Wendeltreppe hinab. Muss eine Art Test sein: Wenn man an einem Stück unten ankommt, ist man nüchtern genug, um einen Trunk zu bestellen. Und zu bezahlen. Und, als wäre die Todesfalle nicht genug, wacht ein Schrank vor der Tür, hinter der House-Musik wummert. In einem Irish Pub.
Fordert er mich auf:
»Sag mal: Ein Astra, bitte«, was mich überrascht. Hätte nicht gedacht, dass die hier Astra haben. Hätte auf Guinness getippt.
»Das ist ne Falle!«, ruft Schwuchtel-Sebi, der sich auf die Stufen gesetzt hat, weil er muss. Keiner sagt was, also nehme ich einen Schluck aus der Dose und sage so was Ähnliches wie:
»Ein Gwinness, bidde«, worauf der Wachmann erst den Kopf schüttelt und dann jemandem zunickt, der gar nicht neben ihm steht. Auf den zweiten Blick ist der Schrank nicht gerade ein Pax, höchstens ein wackeliges Billy-Regal mit schludrig genagelter Rückwand. Er hat keine Tätowierungen, keine Nietenweste und keine Quarzsandhandschuhe. Ist harmloser als die Bardamen auf dem Hamburger Berg. Aber nachdem er fertig ist mit Schütteln und Nicken besitzt er dennoch die Frechheit, uns weismachen zu wollen, der Laden wäre zu voll für uns und so.
»Hören Sie, Sir Curity, wie kann der Laden zu voll sein um neun Uhr?«, fragt Arthur höflich.
»Nicht der Laden; ihr seid zu voll!«
Vor dem Eingang ist es eng, sodass Usnavy auf der untersten Stufe stehen geblieben ist, was ihn größer erscheinen lässt. Von da hinten tönt er:
»Pentrimaiko! Ich regel das!«,
und drängt uns zur Seite, um Billy auf kanakisch voll zu quatschen, dass er den Manager kenne, und als Billy wissen will, was ein Manager sei, versichert Usnavy ihm, dass er sich gewaltigen Ärger einhandle, jedoch ohne dabei ausfallend zu werden. Leo ext seine Blechsemmel und zerknirscht sie in der Faust, ehe er eine neue aus der Hose zaubert und Arthur was ins Ohr flüstert, das ich nicht hören kann, weil Billy keine Manieren hat und den Kanakinho anschreit, wie es sonst gar nicht die Art ist von Türstehern, die bekanntlich erst durch ihre stoische Ruhe bedrohlich wirken.
»Pentrikmaiko, ist es, weil ich Ausländer bin?«
»Du Scheiß-Nazi! Was Tür? Ich ficke deine Tür!«, schießt Leo dazwischen, als wäre sein Stichwort gefallen und Arthur guckt Billy böse an und Schwuchtel-Sebi wäre aufgestanden und hätte auch geguckt, wenn er gekonnt hätte. Billy will ebenfalls gucken, links, rechts, aber er findet keinen, dem er zu nicken kann. Sein Blick landet bei mir, da meine Augen die einzigen sind, die nicht drohen, was sich jedoch schlagartig ändert, als ich sage:
»Zeigen Sie- Zeig mir doch mal deinen 34a-Schein.«
Arthur sieht mich kurz an und ich meine, Schwuchtel-Sebi hätte gekichert, aber dann macht sich Arthur wieder vor Billy gerade und Billy muss einen halben Kopf hochgucken und sagt schließlich:
»Also gut, aber die Dosen bleiben draußen.«
Hausrecht.



Über den Autor und das Buch:

Der Autor
kwe
Karl Wolfgang Epple

Verwirklicht sich als Werbetexter und Schriftsteller. Bringt die Asis zum Lesen. Wäre mit einem Euro pro Tumblr-Follower bereits reich. Hat mit HUSO als einziger Autor ein eigenes Street Team. Findet, dass Poetry-Slams was für Rapper sind, die nicht rappen können. Hat schon böse Briefe vom Thalia Theater und von Charlotte Roche bekommen.

Auf facebook.com/karlwolfgangepple erfahrt Ihr mehr über Karl.

Das Buch
huso
Ich hab nur Hurensohn verstanden

Er ist Anfang zwanzig, mitten im Jurastudium, aber ohne Perspektive. Er hat eine Freundin, die viel zu gut für ihn ist, und begehrt trotzdem heimlich ihre Schwester. Er verachtet Gewalt und muss sie schließlich doch anwenden.
In einer Nacht, die er unfreiwillig mit einer Kompanie Halbstarken verbringt, kehrt er sein Innerstes nach außen. Und er begreift, dass jeder durchschnittliche Mensch eine Katastrophe in sich birgt. Eine Katastrophe und einen Helden.

„Ich hab nur Hurensohn verstanden“ wurde bereits in einer Auflage von zigtausend Exemplaren veröffentlicht. Zumindest, was Aufkleber angeht. Der Roman folgt 2014 mit Bestseller-Anspruch. Eine passende Modekollektion im #husochic erscheint am 22.10.13 auf ichhabnurhurensohnverstanden.de.

Interview mit Karl auf wasmitbuechern.de: “Meine Mission ist es, die Asis zum Lesen zu bringen”.















































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