Ella

von Ninia LaGrande

Jeden Morgen sieht die alte Frau Hohenheimer, wie Ella aus dem gegenüberliegenden Haus tritt und müde in den Laden von Herrn Türkmen stolpert, um danach mit einem Fladenbrot, irgendwelchem Obst und einem Kaffee im Pappbecher wieder ins Haus zu gehen. Und jeden Morgen fragt sich Frau Hohenheimer, ob die nette Ella denn keine Kaffeemaschine besitzt, dass sie immer diesen Kaffee aus dem Pappbecher trinken muss. Sie fragt sich auch, ob Ella jeden Tag ein ganzes Fladenbrot isst. Allein. Frau Hohenheimer stellt sich vor, wie Ella sich das ganze Fladenbrot zum Frühstück in den Mund schiebt und dann so aussieht, wie diese afrikanischen Frauen, die Frau Hohenheimer im Fernsehen gesehen hat. Fladenbrotlippe.

Ella hat einen Freund. Das weiß Frau Hohenheimer. Frau Hohenheimer weiß überhaupt ziemlich viel über ihre Nachbarn. Seitdem Herr Hohenheimer tot ist, sitzt sie fast nur am Fenster und beobachtet die Straße. Manchmal sagt sie, sie könne ein ganzes Buch darüber schreiben, was auf der Straße so passiert. Es könnte ein Kinderbuch sein, mit dem Kinder lernen, was auf einer Straße eben so passiert. Oder ein Krimi. Oder eine erotische Geschichte. Wenn Ella vergisst, die Vorhänge zu schließen. Das mit dem Buch erzählt sie dann immer ihrer Katze. Die sitzt neben Frau Hohenheimer, direkt auf dem Fensterbrett und heißt Anchovi, weil Frau Hohenheimer so gerne Anchovis mag.

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Leseprobe und Poster-Verlosung zu ÖDLAND

Hallo liebe Freunde guter Geschichten,

heute gibt es neben einer Leseprobe aus Christoph Zachariaes erstem Buch der ÖDLAND-Reihe (Erstes Buch: Der Keller) auch noch eine Kleinigkeit zu gewinnen.
Und zwar werden insgesamt fünf von Colin M. Winkler illustrierte Poster des postapokalyptischen Werks verlost.

Und jetzt kommt`s: Es ist auch noch ganz einfach.
Schreibt bis zum 31. Juli 2013 einen Kommentar zu der Leseprobe und fügt noch den Namen eines Charakters aus ÖDLAND hinzu – schon nehmt Ihr an der Verlosung teil. Christoph und ich freuen uns auf Eure Kommentare!

Mit einem Klick auf den Link oder das Poster gelangt Ihr zu der Leseprobe. Viel Spaß!


Zur Leseprobe von ÖDLAND.
Oedland Poster klein

Das Nerdperium schlägt zurück

von David Grashoff

„Du kannst mich schlagen, mich erniedrigen, aber meinen Stolz, den kannst du mir nicht nehmen!“, brüllte ich ihm ins Gesicht, kurz bevor er mich schlug, mich erniedrigte und mir meinen Stolz nahm.
Sein Name war Waldemar und er war eine unheilige Mischung aus einem Neandertaler und Charles Manson.
Die Schulzeit hatte mich gelehrt, was es bedeutete ein Opfer zu sein, lange bevor der Begriff zum geflügelten Wort der Generation Sprachlegasteniker wurde.
Es ging soweit, dass sich im Januar die Schulhof-Alpha-Tiere darum prügelten, wer mich für den Rest des Jahres tyrannisieren durfte. Meistens gewann Waldemar.
Ich hatte den Körperbau einer Gottesanbeterin und meine Akne war so ausgeprägt, dass mein Gesicht aussah, wie das zerbombte Dresden nach dem Luftangriff der Alliierten.
Außerdem war ich ein Nerd.

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